Willkommen im Genossenschaftsdorf Nyvang in Dänemark

Im Museumsdorf das Leben von einst entdecken

Habt ihr Lust, in ein anderes Zeitalter einzutauchen und dänische Geschichte hautnah zu erleben? Dann besucht uns hier im Genossenschaftsdorf Nvyang, dem einzigartigen Museumsdorf auf Seeland. Hier in Nyvang bei Holbæk, gar nicht weit von Kopenhagen, werden die Felder noch mit dem Pferdegespann gepflügt und geerntet, und die Wäsche wird auf dem Waschbrett gewaschen. Hier seht ihr dem Schmied dabei zu, wie er aus glühendem Eisen perfekte Hufeisen formt, und unsere Bäuerinnen bieten euch gern eine Kostprobe ihrer dänischen Hausmannskost an.

Die 24 Häuser und Gebäude des Genossenschaftsdorfs bilden den Rahmen für eine historische Reise ins Dänemark vor 100 Jahren. Das Dorf ist ein kulturgeschichtliches Museum und zeigt das Landleben in der Zeit zwischen 1870 und 1950, als die Genossenschaftsbewegung eine tragende Rolle in der dänischen Gesellschaft spielte. Die Ausbreitung des Genossenschaftsgedankens war entscheidend für die demokratische Entwicklung in Dänemark, und obwohl die Glanzzeit der Genossenschaftsbewegung mittlerweile vorbei ist, gibt es heute noch viele Genossenschaften im ganzen Land, darunter Molkereigenossenschaften, Verbraucherkooperativen und Betriebsgenossenschaften für Windenergieparks. Auch die vielen Hauseigentümergenossenschaften mit ihrem kostengünstigen Wohnmodell spielen eine wichtige Rolle in den Städten Dänemarks.

Im Gegensatz zu anderen Freilichtmuseen ist das Genossenschaftsdorf Nyvang ein Ort voller Leben, in dem praktisch das ganze Jahr hindurch Aktivitäten und Veranstaltungen angeboten werden. Jedes Frühjahr findet ein großer Markttag statt, auf dem Kleidung, Schmuck, historische Werkzeuge und viele andere Waren feilgeboten werden. Im Winter gibt es viele Mitmachangebote für Drinnen – aus einer Zeit, in der es weder Fernsehen noch Computer gab. Ein Besuch im Dorf spricht alle Sinne an. Freut euch am Duft von frischem Kaffee und probiert einmal Richs traditionelle Pfannkuchen oder eines der vielen anderen Gerichte aus der Region.

Die Läden im Dorf halten ein vielfältiges Angebot bereit. In der dorfeigenen Molkerei wird die Glocke geläutet, sobald eine neue Milchlieferung fertig ist. Die Bäckerei im Stil der 1940er-Jahre verkauft nicht nur traditionell gebackenes Roggen- und Weizenmischbrot, sondern auch süßes Gebäck, zum Beispiel leckere Apfelkrapfen für den kleinen Hunger zwischendurch. Im Fahrradladen könnt ihr sehen, wie im Dänemark der 1930er-Jahre Fahrräder gebaut und repariert wurden.

Im ganzen Dorf gibt es verschiedene Ausstellungen zu sehen. In der „Roten Scheune“ beispielsweise könnt ihr eine Ausstellung mit Lokomobilen und Landmaschinen und dazu die größte Kutschensammlung Nordeuropas bestaunen. Und nachdem ihr alles gesehen habt, könnt ihr den Tag bei Kaffee und Kuchen oder einem herzhaften Abendessen im Restaurant „Madam Blå“ gemütlich ausklingen lassen.

Herzlich willkommen im Genossenschaftsdorf Nyvang!

 

Die Genossenschaftsbewegung und ihre Bedeutung für Dänemark

Das Genossenschaftsdorf Nyvang erzählt die Geschichte der großen Zeit der dänischen Genossenschaftsbewegung. Die erste ländliche Verbrauchergenossenschaft entstand 1866 in Thisted in Nordjütland zu dem Zweck, gute Waren günstig einzukaufen – zum Vorteil aller Mitglieder. Der eigene Laden wurde ganz nach dem neuen Genossenschaftsgedanken geführt, der damals aus England nach Dänemark kam. Demnach hatte jedes Genossenschaftsmitglied eine gleichberechtigte Stimme, unabhängig davon, wie viel Waren es in dem Laden einkaufte. Die Überschüsse aus dem Ladengeschäft wurden anschließend im Verhältnis an die Mitglieder ausgeschüttet und richteten sich danach, wie viel jedes Mitglied eingekauft hatte.

Schnell breiteten sich die ländlichen Verbrauchergenossenschaften in ganz Dänemark aus. Im Jahr 1882 hatte eine Gruppe von Bauern aus dem kleinen westjütischen Dorf Hjedding eine geniale Idee: Sie wollten ihre eigene Molkerei gründen. Die neue Molkerei sollte genau wie die Verbrauchergenossenschaften betrieben werden, wo jedes Mitglied eine Stimme hatte und die Gewinne nach individueller Leistung verteilt wurden. Das Konzept war bahnbrechend und verbreitete sich blitzschnell im ganzen Land. Allein im Jahr 1888 wurden 244 Molkereigenossenschaften gegründet. Nach und nach kamen Schlachtereien, Eierexportbetriebe, Futtermitteleinkauf, Bäckereien, Elektrizitätswerke, Wäschereien und Kühlhäuser hinzu, die als Genossenschaften betrieben wurden. In den 1950er-Jahren war praktisch jeder dänische Landwirt Mitglied in einer oder mehreren Genossenschaften.

Die Genossenschaftsbewegung hat großen Einfluss auf die demokratische und die wirtschaftliche Entwicklung in Dänemark genommen. Indem sie sich zu Genossenschaften zusammenschlossen, die unter anderem Milch und Fleisch produzierten, gelang es den meist armen Bauern, die wirtschaftlichen Krisen ihrer Zeit zu bewältigen und Wohlstand zu entwickeln. Bekannte dänische Produkte wie Butter und Schinken wurden schon früh zu wahren Exportschlagern auf dem englischen Markt. Die Genossenschaft als Modell gründet sich auf die Gemeinschaft: Man tut sich zusammen, um Aufgaben gemeinsam zu lösen, die für den Einzelnen schwer zu bewältigen sind. Über viele Jahrzehnte entstand so eine vom Gemeinschafts- und Vereinsgedanken geprägte Gesellschaft, deren Auffassung von Demokratie und Zusammenhalt auch das moderne Dänemark von heute prägt.

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